Wie ausländerfeindlich sind die Deutschen?

 

Die Ermordung der jungen Ägypterin Marwa al-Schirbini in einem Dresdener Gerichtssaal hat in Ägypten starke antideutsche Emotionen ausgelöst. Aufgebrachte Demonstranten riefen "Die Deutschen sind die Feinde Gottes".
Ist diese aufschäumende Wut gerechtfertigt, sind die Deutschen tatsächlich rassistisch oder ausländerfeindlich?

Dabei spielt es zunächst einmal keine Rolle, dass die Wahnsinnstat im Gerichtssaal von einem russischen Auswanderer verübt wurde - ein Mensch also, der ebenso wie die Ägypterin einen Migrationshintergrund aufweist.
Aber der böse Emigrant wird eben ganz schnell zum Urdeutschen, während das Opfer, die gute Emigrantin, ihren Ausländerstatus beibehält. Auf dieser Basis lässt sich immer wieder leicht eine deutsche Ausländerfeindlichkeit aufbauen.

Dass die Wahnsinnstat im Gerichtssaal im höchsten Maße abscheulich ist (die junge Frau wurde mit 18 Messerstichen niedergestreckt weil sie es wagte, gegen den Täter auszusagen), darüber gibt es keinen Zweifel.
Dass auch die Justizbeamten im Gerichtssaal versagt haben, (der zu spät einschreitende Ordnungshüter hat im Tumult ausgerechnet den Ehemann des Opfers ins Bein geschossen) ist auch keine Frage.

Aber können diese unglücklichen Umstände die unterstellte deutsche Ausländerfeindlichkeit belegen? In den deutschen Gerichtssälen hat es schon des öfteren Bluttaten gegeben - aber diese Einzelfälle sind ähnlich schwierig zu verhindern wie die Amokläufe ausgerasteter Jugendlicher in ihren Schulen. Bei den vielen hunderttausend Prozessen jährlich können wir unsere Gerichtssäle schlecht zu Hochsicherheitszonen umgestalten - das wäre sowohl personell als auch finanziell nicht zu bewerkstelligen.

 

Was ist Ausländerfeindlichkeit und Rassismus? - Die einäugige Sicht der Dinge...
Wegen der Wahnsinnstat eines Einzelnen zurzeit in Deutschland lebenden Migranten den Deutschen per se Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen und in wahren Hassorgien zu versinken, zeigt doch eigentlich recht anschaulich, wo der Rassismus beheimatet ist.

Nahezu täglich werden irgendwo im Ausland aus niederen Gründen deutsche Staatsbürger umgebracht. Meine aktuelle Tageszeitung vom 22. 6. 2009 vermeldet gerade, dass in einer beliebten Einkaufsstraße in Istanbul ein 47-jähriger Deutscher erdolcht wurde, weil er einem Bettler die geforderte Lira (47 Cent) nicht geben wollte. Schlägt dieser Mord hierzulande irgendwelche Wellen, käme irgendjemand auf die Idee, diese Tat zu verallgemeinern und das türkische Volk zu beschimpfen?

Verrückte gibt es leider immer und überall, auch in den anderen Kulturen. Selbst in Ägypten sind in den vergangenen Jahren viele Ausländer (darunter mehrere Deutsche) umgebracht worden. Die zur Schau gestellte Überheblichkeit ist also völlig fehl am Platze.

In meiner Zeitung von heute steht übrigens auch, dass ein Afghane in München seine Exfreundin mit 20 Messerstichen massakriert hat (weil sie sich in einen anderen verliebt hatte). Der Afghane beruft sich auf den Koran, diese Bestrafung sei sein gutes Recht gewesen.

 

Was ist Ausländerfeindlichkeit? Meine Zeitung weiß es...
Meine oben zitierte Zeitung brachte in ihrer gestrigen Ausgabe auf der Titelseite eine Meldung unter der Überschrift "Viele Ostdeutsche ausländerfeindlich". Das dort gezogene Fazit: 40 Prozent der Ostdeutschen sind ausländerfeindlich - weil sie der Auffassung zustimmten, dass es "zu viele Ausländer" in Deutschland gebe.

Ich halte es für eine Unverfrorenheit, derlei Schlussfolgerungen aufzustellen und weltweit zu verbreiten. Fast 20 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, bei den jungen Leuten sind es bereits über 30 Prozent. Wenn jemand diese hohen Prozentzahlen kritisch betrachtet, ist es doch wohl sein gutes Recht, da muss man ihm nun wirklich nicht gleich Ausländerfeindlichkeit unterstellen.

Unser allseits geschätzter Exkanzler Helmut Schmidt hat bezüglich des Ausländeranteils bereits vor 30 Jahren gemeint, "das Boot sei voll". Damals waren die Migrationszahlen wesentlich niedriger, noch nicht einmal auf dem halben Stand des heutigen Niveaus. Will man unserem weltoffenen Altkanzler tatsächlich "Ausländerfeindlichkeit" unterstellen?

Ich würde mich nicht wundern, wenn die Aufruhr in Ägypten auch mit den ständigen Selbstbezichtigungen und Unterstellungen deutscher Medien im Zusammenhang steht. Wenn unsere Medien von sich aus bei jeder Gelegenheit das Bild des häßlichen Deutschen zeichnen, dann darf man sich nicht wunden, wenn im Ausland dieses Eingeständnis Wirkung zeigt.

 

Gibt es irgendwo ein großzügigeres Land...
Gibt es irgendwo in der Welt ein zweites Land ähnlicher Größe, welches trotz hoher Bevölkerungsdichte dermaßen viele Ausländer aufgenommen hat? Gibt es ein zweites Land, in dem Migranten eine derart großzügige soziale Unterstützung erhalten? Wie kann man ein solches Land der Ausländerfeindlichkeit bezichtigen?

 

© Manfred Müller

 

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